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Wahrnehmung und Entscheidung



Das Konzept dieser Überwachungsinstallation spielt mit dem Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung und wahrgenommen werden.
Das lokale Geschehen wird observiert, bewertet, kommentiert und dargestellt. Die Situation ist inspiriert durch Franz Kafkas "Der Proceß".

"Sie haben mich mißverstanden, Sie sind verhaftet, gewiss, aber das soll Sie nicht hindern Ihren Beruf zu erfüllen. Sie sollen auch in Ihrer gewöhnlichen Lebensweise nicht gehindert sein."
Franz Kafka, Der Proceß

Die Installation beobachtet das Geschehen an neuralgischen Punkten. Ein so genanntes "intelligent multi agent system" übernimmt die Auswertung, in deren Folge Maßnahmen und mögliche Sanktionen ausgesprochen werden. Entsprechende Argumentationsketten können direkt unter dem Bild verfolgt werden.

Die Agenten beziehen sich auf bürokratische Instanzen und bilden die Außengrenze einer anonymen undurchdringlichen Macht. Nach ihrem Ermessen werden Personen in Zeit und Abbild festgehalten oder zu zuckend geisthaften Schemen.

Das Indiz der Verdächtigung bleibt verborgen, lediglich Konsequenzen werden offen gelegt.

Als "Objekt" hat man nur eine Chance den Prozess zu beeinflussen:
ihm entgegen zu treten und sich zu artikulieren.

Die Agenten reagieren mit einem visuellen "Ecce Homo", der Screen verwandelt sich in ein Spiegelbild, und wer den Agenten genauer zuhört, wird sich in deren kindlich konspirativem Getuschel wiederfinden.

Das Fehlen gravierender Konsequenzen auf das Zielobjekt nimmt die unmittelbare Bedrohung der Observierung zurück, das liebenswert naive Stolpern der Agenten in ihrem eingeschränkten Wort- und Erfahrungsschatz bekommt beinahe einen Hauch von Poesie.

Gianni Stiletto (FH Salzburg), Barbara Connert und Michael Hackl (plankton Labs)


Präsentation im Rahmen des Forum Alpbach, 16.08.2008:

 
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